Der Weltkrieg 1914-1918 und seine Folgen

„In Sarajewo hatte man den österreichisch-ungarischen Thronfolger ermordet. Es war der Anlaß zu diesem entsetzlichen Krieg. Die Ernte hatten die Bauern gerade eingebracht. Viele junge Männer wurden zu Soldaten gerufen. Die Bauern mussten ganze Pferdegespanne für das Militär nach Katscher stellen. Da viele Männer eingerückt waren, blieb den Frauen und den alten Männern die Arbeit in Feld und Hof. Als Ersatz richtete man im Ort ein russisches Kriegsgefangenenlager ein. Die Gefangenen halfen in der Landwirtschaft. Wegen der verhängten Zwangswirtschaft war es um die Ernährung der Bevölkerung schlecht bestellt. Die Gendarmerie und die Gemeindevertreter kontrollierten, ob auch alles abgeliefert wurde. Wehe dem, der etwas verborgen hatte!
Der Tauschhandel blühte; jeder versuchte, noch nebenbei etwas zu ergattern – vor allem Lebensmittel.
Auch die zwei Glocken der Kirche mussten abgeliefert werden, die kleinste beließ man der Gemeinde.
Leid war in die Familien eingekehrt. Viele Männer waren gefallen, verwundet oder in Gefangenschaft geraten.

Auch nach dem Krieg blieb die Zwangswirtschaft bestehen. Die politische Entwicklung war gerade im Leobschützer Kreis sehr ungewiß. Ganz Oberschlesien wurde von alliierten Soldaten besetzt. Aus Böhmen, Mähren und österreichisch Schlesien entstand die CSR. Auch der östliche Nachbar Polen war wieder erstanden. Beide Staaten erhoben Anspruch auf Oberschlesien. Die Polen wollten das gesamte Gebiet annektieren. Die Tschechen beanspruchten natürlich das Gebiet zwischen Oppa und Zinna, das einst – 1742 – Maria Theresia dem Preussenkönig überlassen musste. Tschechische Soldaten überschritten bereits die Grenze und wollten einige grenznahe Orte wie Piltsch oder Waissak, besetzen. Die Polen dagegen waren sehr aktiv im oberschlesischen Industriegebiet. Wegen der ungewissen Zeit waren die Menschen sehr unruhig geworden. Viele junge Männer aus dem Grenzland, auch aus dem übrigen Deutschland, griffen zur Selbsthilfe. Es kam 1921 zur Gründung von freiwilligen Verbänden, den sogenannten Freikorps, die den Eindringlingen Widerstand leisteten. Es kam zu regulären Schlachten, auch am Annaberg. In Knispel lag ein Grenzschutzschwadron, die sich in Piltsch besonders zu behaupten hatten.

Eine alliierte Kommission befahl eine Volksabstimmung. In jedem Ort wurde dafür eine aus Gemeindevertretern zusammengesetzte Kommission gegründet. Alle ehemaligen Dorfbewohner – gleich, wo sie wohnten – wurden aufgerufen, ihre Stimme in ihrem Heimatdorf abzugeben. Der Empfang – man ging fast zu jedem Zug zum Bahnhof nach Schirmke – brachte viel Leben in das Dorf. Die Abstimmungsgäste wurden mit bunt geschmückten Leiterwagen vom Zug abgeholt und in den Gastwirtschaften mit Kaffe und Kuchen bewirtet. An einem schönen Frühlingstag, dem 23.3.1921, fand dann die Abstimmung statt.

Mit Spannung erwartete man das Ergebnis. Es war ein eindeutiger Beweis für Deutschland – 246 Ja-Stimmen aus Knispel – also 100% für den Verbleib bei Deutschland. Der Kreis Leobschütz stimmte mit 99,9%, ganz Oberschlesien mit 65% für den Verbleib bei Deutschland. Trotz dieses Ergebnisses kam Ostoberschlesien zu Polen, das nahe Hultschiner Ländchen zut CSR. Knispel wurde somit Grenzbezirk; nach Polen waren es nur 22km und nach Thröm – es kam zur CSR – nur 6 km.
Folge des verlorenen Krieges war die Inflation. Das Geld verlor fast täglich an Wert. Für einen Tagesverdienst konnte man gerade noch eine Schachtel Streichhölzer kaufen. Man ging dazu über, nur noch Ware gegen Ware zu tauschen. Ein Brot kostete 80 Millionen, ein Glas Bier 52 Millionen Mark. Manche Leute verstanden es auch, Schulden durch den Verkauf von landwirtschaftlichen Waren abzustoßen. Im November 1923 hatte das alte Geld überhaupt keinen Wert mehr. Als neues Zahlungsmittel wurde die Rentenmark eingeführt; für eine Billion Mark erhielt man beim Währungsschnitt 1 Rentenmark.

Es ging allmählich bergauf, man hatte wieder Freude an der Arbeit. Die Geschäftsinhaber füllten ihre Regale auf. Man konnte für das Geld wieder in bescheidem Maße etwas kaufen.
1929 tobte im Ort eine Feuersbrunst; vermutlich durch Unachtsamkeit brannten nördlich der Kirche einige Häuser ab. Eine weitere folgte 1930, hier war Brandstiftung die Brandursache. Man hatte sich auf die Scheunen der Bauern „spezialisiert“. Bei Fitzners fing es an, weitere Brände folgten bei Andratschke, Mosler, Viola, Krause Josef und bei Gilge Alfred.

Die allgemeine Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre ging durchs ganze Land. Sie bedingte Arbeitslosigkeit und ein Anwachsen radikaler politischer Bewegungen. Besonders im nahen Katscher wurden viele Arbeiter, die in den Webfabriken arbeiteten, arbeitslos. Überfälle wegen politischer Gesinnung und auch Diebstähle standen auf der Tagesordnung. Es ging sogar soweit, dass man den Bauern das Vieh aus dem Stall holte und auch Feldfrüchte direkt vom Feld stahl.
Auch die radikalen Parteien, Rechte wie auch Linke, prägten die Zeit. Ein naher Umsturz der Demokratie stand bevor. In Knispel schlossen sich die jungen Männer zusammen, im Ernstfall wieder für die Freiheit einzustehen. Ein Leutnant der Reichswehr schulte sie im Waffengebrauch.“

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