Die Zeit von 1933 – 1945

„Im Jahre 1933 kam Hitler an die Macht. Man hielt den Atem an; was wird wohl jetzt kommen! Es fing alles recht gut an. Vielen armen Leuten wurde geholfen, arbeitslose Männer fanden wieder Arbeit. Einige neue Häuser wurden für billiges Geld errichtet. Es herrschte wieder Ruhe und Ordnung, aber der Schein war trügerisch. Hitlers Expansionspolitik gegenüber unseren östlichen Nachbarn stieß auf Widerstand. Im Herbst 1938 verlangte er von der CSR die Abtretung des Sudentengebietes. Viele Flüchtlinge aus dem Sudetengebiet strömten in unser Gebiet. Die Stadt Katscher war voll von diesen armen Menschen, die ihre Heimat verlassen hatten. Im Münchener Abkommen gab der Westen nach, das Sudetenland kam „heim ins Reich“. Die Nachgiebigkeit der Alliierten war ein Fehler, Hitler wurde ermutigt. Er verlangte im August 1939 von Polen die Rückgabe der 1919 abgetretenen Gebiete. Es kam zum Krieg.

Auch diesmal war die Ernte gerade eingebracht. Die Stadt Katscher war ein gewaltiges Heerlager. Ein Panzerkorps lag in Wartestellung. Am 26.8.1939 zog es in Richtung Ratibor. Im Ort selbst war bereits alles von „oben“ für den Tag X geplant. Die ersten Männer erhielten nachts ihre Gestellungsbefehle vom Bürgermeister. An die 20 Pferdegespanne wurden mobilisiert und in Rauden der Wehrmacht übergeben. Im nahen Wronin entstand ein Feldflugplatz für Stuka-Flugzeuge. Bereits am 2. Kriegstage, dem 2. September 1939, war als erster Max Maiß gefallen. Er fiel in der Nähe von Rybnik.
In den weiteren Kriegsjahren verlor die Gemeinde so manchen jungen Knispler – wie es damals so schön hieß: „auf dem Feld der Ehre für Führer, Volk und Vaterland“.

Um die Verluste an Arbeitskräften zu ersetzen, errichtete man wieder ein Gefangenenlager, erst waren es Polen, dann Franzosen und auch Russen, die bei den Bauern zur Arbeit verpflichtet wurden. Nach einiger Zeit machte man aus diesen Gefangenen „Zivilisten“, die dann als Arbeiter im Ort tätig waren. Es waren wohl an die 100 dieser Leute. Die Verluste an vielen Fronten wuchsen ständig. Die einrückenden Männer waren zum Teil gerade 16 Jahre alt. Auch das letzte Aufgebot im Jahre 1944, der „Volkssturm“, konnte nichts mehr retten. Im Herbst 1944, die Front stand im Osten bereits bei Krakau, baute man den Ostwall.

Viele Knispler schachteten Schützengräben aus und bauten Panzersperren. Im September 1944 machten die ersten Partisanen das Gebiet unsicher. Im nahen Zauchwitz wurden die ersten russischen Fallschirmjäger von Heydrich Julius gestellt und gefangen.
Der Winter kam ins Land, die Front im Osten rückte immer näher an unser Dorf heran. Im Januar 1945 warfen russische Tiefflieger die ersten Bomben, überall hörte man aus der Ferne Geschützdonner. Die Front verlief bald im nahen Matzkirch. Die Lage verschlimmerte sich von Tag zu Tag.
Am 19. März 1945 verließ bei grimmiger Kälte „der Treck“ das Dorf. Nur einige ältere Leute und Pfarrer Hermann blieben zurück.“

Aus: „Gemeinde Knispel – ein Rundangerdorf“ – siehe Impressum

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