Knispel 1900 – 1914

„Die Jahrhundertwende vollzog sich in aller Stille. Der Ort erfuhr wohl seine beste Zeit – „die gute alte Kaiserzeit“. Seit dem Jahr 1900 besaß Knispel eine Wasserleitung. Eine Quelle an der Westseite des Dorfes hinter dem ehemaligen Schafferteich lieferte das Wasser. Den Ausbau der Leitung übertrug die Gemeinde dem Unternehmer Müller aus Kattowitz für 10.000 Mark. Angeschlossen waren bis jetzt die Besitzer an der Nordseite des Dorfes, auch die Pfarrei und die Schule genossen die Vorteile dieser Einrichtung. Bei dem Bau der Wasserleitung entdeckte man die Überreste einer ehemaligen Holzwasserleitung, die zu der im Dorfe gelegenen Brennerei des ehemaligen Vorwerks führte (dem Adam´schen Schloß, später Mende).

1906-1909 wurde die Bahnlinie Cosel-Bauerwitz-Troppau gebaut. Viele fremde Gastarbeiter-Italiner waren beim Bahnbau tätig. Obwohl sie außerhalb der Orte wohnten, brachten sie eine gewisse Unruhe ins Land. Als der 1. Zug mit den Ehrengästen den Schirmkauer Bahnhof erreichte, waren viele Leute aus den Ortschaften anwesend. Durch den Bahnbau wurden Ländereien zerschnitten, besonders die von Gastwirt R. Maiß. Er bestand auf dem Bau einer Brücke, um seine Ackerländereien zu erreichen. Jedoch war diese Holzbrücke 1028 bereits baufällig, eine Erneuerung war nötig. Gut geführte Verhandlungen seitens der Reichsbahn – man entschädigte den Buddiker mit einer einmaligen Summe – machte den Neubau überflüssig.

An der Südseite des Ortes, wo man Gipsabbau schon im vorigen Jahrhundert betrieb, vermutete man auch noch Kohle. Im Jahr 1900 begann man unter der Leitung eines Pfarrers Kuboth aus Miechowik mit der 1. Bohrung. Man stieß an 5 verschiedenen Stellen in einer Tiefe von 15m auf minderwertige Braunkohle. Nach Ansicht des Bergrates Müller dürfte allerdings in beträchtlicher Tiefe mit Steinkohle zu rechnen sein.

Pfarrer Kuboth überließ daraufhin die Schächte und das Nutzungsrecht, das sich auf das Gebiet von Kösling, Knispel, Katscher erstreckte, im Jahre 1912 den Gräflichen Schaffgotschen Werken in Beuthen für 30.000 Mark. Ein Jahr später, am 30.5.1913, erklärte die Schaffgotsche Verwaltung dem Gemeinderat in Kösling, dass die von Pfarrer Kuboth bewilligte Auffassung rechtsungültig sei. Damit endete auch für Knispel der Abbau des „schwarzen Goldes“.
1909 wurde in Bauerwitz eine Kartoffelflockenfabrik gebaut.

Gegen Ende 1910 errichtete Hauptlehrer Bratke für das Lehrerwohnhaus eine elektrische Beleuchtungsanlage. Die Kraft hierfür wurde von einem Benzolmotor erzeugt, der in einem Nebengebäude stand. Man fand Gefallen an dieser Anlage und vergrößerte die Anlage. Bei Gastwirt Maiß im Hinterhof stand ein gewaltiger Benzolmotor, der fast das ganze Dorf mit Strom versorgte. 1913 gründete man eine Elektrizitätsgenossenschaft. Diese errichtete ein gewisses kleines E-Werk, das ausser Licht auch Kraft zum Antrieb landwirtschaftlicher Maschinen erzeugte. Eine gewaltige Pionierleistung des Dorfes! Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde der Treibstoff immer knapper, notgedrungen schloß man sich nach dem Kriege dem Allgemeine E-Werk an.“

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