Knispel, das Rundangerdorf  

„Als der in Knispel hochgeschätzte Pater Schell, ein Westfale, von seiner bischöflichen Behörde den Auftrag bekam, nicht, wie es sein größter Wunsch war, nach England zu gehen, sondern Seelsorger in Knispel, im Bezirk des Generalvikariates Branitz, dem deutschen Anteil der Erzdiözese Olmütz, im Kreis Leobschütz zu werden, musste er erst mal die Deutschlandkarte aufschlagen, um nachzusehen, wo denn dieses Knispel lag.“ Wir schauen auch mal nach (Ein Teil Schlesiens mit historischen Namen und Grenzen):
 

„ Fast quer durch Deutschland führte ihn die Bahnreise von Olpe im Sauerland bis in den Kreis Leobschütz.. Noch voller Trauer, dass sein Wunsch, nach England zu gehen nicht in Erfüllung gehen konnte, kam Pater Schell in Katscher an. Als er dann aber an der Seite des Kommisarius und Generalvikars auf Knispel zufuhr und den behäbigen Rundling von einer Anhöhe vor sich liegen war, war er, nach seinen eigenen Worten ‚mit dem Schicksal versöhnt’.

Knispel, ein freundlicher, einladender ‚Rundling’! Schon in vielen namhaften Kreisen ist über die Entstehung und die Form der Rundangerdörfer diskutiert worden (...) und doch kann bis heute niemand sagen, warum gerade Knispel in seinem weitesten Umland ein rundes Dorf war. Fest steht nur, dass Knispel einst von deutschen Siedlern gegründet worden war, die hier an der Peripherie ihre Gewannflur anlegten. Vielleicht liegt der Grund für den Rundlingscharakter Knispels tatsächlich, wie es seit Generationen von Knisplern weitergegeben wird, darin, dass der Ort einst nicht an einem Bachlauf, sondern um eine Quelle (Knispler Platt „de Schorr“ genannt) entstanden ist. Nur die Anlage von Hohndorf im Kreis Leobschütz weist mit ihrem beutelförmigen Anger noch Ähnlichkeiten mit dem imposanten Rundangerdorf Knispel auf.

So liegt fast in der Mitte des Angers, auf einer kleinen Anhöhe, die Knispler Kirche. Um sie scharen sich Häuser und kleinere Landwirtschaften, aber auch die Schule, Geschäfte und Handwerksbetriebe. Kreisrund schließen sich die großen Gehöfte um das Dorf und ergeben so ein geschlossenes Gefüge, nur durchbrochen von Straßen und Wegen, die innerhalb und durch Knispel verlaufen. Seit jeher hat Knispel zwei Dorfeingänge, im Platt „Goes“ und „Ewergoes“ genannt.

Nachweislich ist der Anger erst im 17. Jahrhundert bebaut worden. Nach dem Dreißigjährigen Krieg. Bis zu diesem Zeitpunkt befand sich hier ein überaus geräumiger Dorfplatz, dessen Mittelpunkt Kirche, Friedhof und „de Schorr“ bildeten.

Betrachtet man den äußeren Gürtel Knispels, so zeigen die freundlichen und z.T. mit Stuckleisten gezierten Giebel der Wohn- und Auszugshäuser der Gehöfte auf das Dorfinnere. Entsprechend der runden Dorfanlage sind natürlich die Vorderfronten der einzelnen Gehöfte schmal, weiten sich jedoch nach hinten breit und sehr lang aus. Vereinzelt trifft man noch heute vor einem Gehöft auf ein Laimes, ein Speicherhaus. Die Fläche zwischen den Höfen und der Dorfstraße war einst mit Blumen und Gemüsegärten ausgefüllt.

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